Der Stadtteil Garching

Luftbild Garching früher
Luftbild Garching heute

Garching wurde erstmals dokumentarisch erwähnt zu Beginn des zehnten Jahrhunderts in einer Tegernseer Klosterurkunde. Der Name »Garching« leitet sich ab von »Gouvirihhinga«, der bajuwarischen Bezeichnung für »Besitz des Gowirich«. In der heutigen Schreibweise steht er erstmals in einer päpstlichen Bulle vom Jahre 1260.

Besiedelt war der Ort nachweislich schon wesentlich früher. Auf Luftbildaufnahmen konnte man Siedlungsspuren erkennen, so dass das Landesamt für Denkmalpflege bei Bauvorhaben Ausgrabungen beauftragte. In vier Grabungsaktionen zwischen 2006 und 2011 auf Baugrundstücken fanden Archäologen Siedlungsspuren, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Ende Oktober 2006 legten Archäologen auf dem Grundstück am Mühlfeldweg gegenüber dem Werner-Heisenberg-Gymnasium eine Siedlung aus dem frühen Mittelalter (6./7. Jahrhundert n. Chr.) mit mindestens acht Anwesen frei, wie sie typisch für die Bajuwaren war. Vergleichbare Siedlungen gibt es z. B. in Aschheim und Eching.

Im Dezember 2006 stießen Archäologen auf dem Grundstück östlich des Lidl-Einkaufsmarkts auf sieben Gräber von Kelten aus der frühen Mittelbronzezeit (um 1500 v. Chr.), mit sehr gut erhaltenen menschlichen Skeletten und auffällig reichen Grab- beigaben, insbesondere sog. Beinbergen, Spiralen aus Bronze als Teil der damaligen Frauentracht.

Im Mai bis September 2009 wurde ganz in der Nähe am Echinger Weg ein großes Gräberfeld aus der Jungsteinzeit (um 2500 v. Chr.) freigelegt. Die Menschen, deren gut erhaltene Gebeine dort gefunden wurden, gehörten nach der typischen Form ihrer Keramikgefäße zur sog. Glockenbecherkultur. Somit lebten also vor 4.500 Jahren bereits Menschen auf Garchinger Flur.

Im Februar 2011 wurden auf einem Baugrundstück nördlich Watzmannring Spuren eines römischen Gutshofes, einer »villa rustica«, gefunden, mit einem Brandgrab, dessen Keramikreste aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammen.

Garching war bis in unser Jahrhundert ein reines Bauerndorf mit Gewerbebetrieben, die sich ausschließlich an den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung orientierten und deren älteste wohl die Tafernwirtschaft und die Mühle waren, die bereits im ersten Besitz- und Steuerverzeichnis des wittelsbachischen Herzogshauses 1232 aufgeführt sind. Die Verbindung mit der großen Welt ergab sich durch Lieferungen von Nahrungsmitteln an die Stadt München und durch die 1785 errichtete Fürstlich- Thurn-und-Taxissche Postlinie von München nach Regensburg mit einer Poststation, welche – mit Unterbrechungen – bis 1918 unterhalten wurde. Elektrischen Strom und eine Wasserversorgung mit einem Wasserturm gab es seit 1910 bzw. 1912, eine Molkerei seit 1928. Die Autobahn München- Nürnberg wurde 1935 gebaut, mit einer Ausfahrt direkt ins Dorf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine stürmische Siedlungsentwicklung. Mit dieser ging ein dynamischer Wachstumsimpuls der infrastrukturellen Einrichtungen einher. Es entstanden Schulen und Kindergärten, eine weitere katholische sowie eine evangelische und eine neu apostolische Kirche sowie ein Gebetsraum der Islamischen Religionsgemeinschaft. Ferner Sportanlagen an den Schulen und am Garchinger See und weitere Erholungseinrichtungen, eine neue Sporthalle, Arztpraxen, ein Jugendfreizeitheim, eine große Altenwohnanlage mit Betreuungszentrum und »Seniorentreff«, ein Haus für Betreutes Wohnen und ein Pflegeheim, Einkaufsmöglichkeiten und Hotels, die Volkshochschule im Norden des Landkreises München, das Bürgerhaus mit Bücherei als Ort eines reichen Kulturprogramms, das neue Rathaus, die Musikschule mit einer musealen Sammlung von Volks musikinstrumenten vieler Völker. Als neue Ortsmitte entstand das Areal um Bürger- und Rathausplatz. Die meisten alten Bauernhöfe und damit ein Großteil der Landwirtschaft verschwanden.

 

Diese Seite wurde 2015 zur Feier 1100-Jahre Garchinger Geschichte erstellt.
Änderungen, die sich im Anschluss ergeben, werden hier nicht mehr nachvollzogen.
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